Presseberichte 12/05
Weniger Mitglieder, mehr Reformen
DAS SPORTJAHR 2005 (7. FOLGE): Tennis nutzt die Krisenjahre für Neuerungen - Zählweise ändert sich
Von unserer Redakteurin Christine Kamm
Die gegenüber Reformen vergleichsweise resistente Sportart Tennis hat in diesem Jahr in Deutschland Weichen gestellt. Die bitteren Jahre des Mitgliederschwunds, der nach wie vor anhält, haben dem früheren Elitesport eine Aufbruchstimmung beschert, die ihm nur gut tun kann.
In der Bundesliga diskutieren sie seit Jahren die Verkleinerung der Teams auf vier statt bisher sechs Spieler, im nächsten Jahr wird sie - die Mannheimer Traditionalisten haben sich nicht durchsetzen können - Wirklichkeit. Ob"s was bringen wird? Großes Fragezeichen. Denn das Hauptargument, fürs Fernsehen dadurch attraktiver zu werden, scheint von Fantasten ins Feld geführt zu sein.
2005 darf aber auch im Amateursport als eine richtungsweisende Saison angesehen werden. Denn ein Ranglisten-System wird eingeführt werden, das ab 2007 als Grundlage für die Mannschaftsmeldungen dienen wird. Es erfasst - unterteilt in Männer und Frauen und diverse Leistungsklassen - alle Turnierspieler. In der kommenden Saison werden die Ergebnisse der Medenspiele registriert, und danach wird ein Ranking erstellt. Einen schwächeren Spieler an Punkt eins melden, um mit dem Rest der Mannschaft „nach unten" auf der Meldeliste zu rutschen - das wird es dann nicht mehr geben. „Damit ist dann Schluss", sagt Dieter Kirschenmann (Mainz), Sportwart im Tennisverband Rheinland-Pfalz. Eine neue Zählweise ist außerdem getestet und für gut befunden worden. Weil sich der Usus eingebürgert hatte, beim Stand von 6:0 oder 5:1 nach den sechs Einzeln - an der Basis werden sie auch weiter gespielt - gerne einmal die Doppel zu schenken, zählt ab sofort jedes Einzel zwei und jedes Doppel drei Punkte. „Ich denke, dass es eine gute Idee ist, es wird sicher angenommen", glaubt Sepp Klaus, Präsident des Tennisverbands Rheinland-Pfalz.
Der Koblenzer wäre dem Tennissport zwischen Kusel, Kandel und Koblenz fast abhanden gekommen. DTB-Präsident Georg von Waldenfels hätte ihn gerne als Sportwart ins neue Präsidium geholt, ließ seinen Kandidaten aber fallen, als der im eigentlich entscheidenden Gremium - bei den Sportwarten - durchfiel. Die bevorzugten ihren früheren Kollegen Heinz Wagner aus Staudt. Vielleicht war Georg von Waldenfels auch nur zu sehr mit sich selbst beschäftigt, denn eine Gegenkandidatur von Rainer Schüttlers Trainer Dirk Hordorff (Bad Homburg) hatte für viel Wirbel gesorgt. Weil der alte Präsident vorsorglich schon im Sommer Stimmen gesammelt hatte und im Tennis Ehrenmänner in Amt und Würden sind, wurde der Bayer wiedergewählt.
Drin oder nicht drin? Den FCK-Fans lag der Elfer, der nicht als Tor gegeben wurde, im DFB-Achtelfinalspiel des 1. FC Kaiserslautern gegen den FSV Mainz 05 wahrscheinlich auch noch über die Feiertage im Magen. Dabei hat es in diesem Jahr im Sport noch eine viel krassere Fehlentscheidung gegeben. Das Fehlverhalten sowohl nach der Wettspielordnung als auch im Sinne der gängigen Praxis eines Oberschiedsrichters hat die Damen des BASF-Tennisclubs die Zugehörigkeit zur Bundesliga gekostet. Das Sportgericht des DTB hatte in betreffender Entscheidung den Fehler des Schiedsrichters nicht beachtet. Bei der Delegiertenversammlung des DTB wurde ein den Fall betreffender Passus in der Wettspielordnung allerdings geändert. Das nützt nachfolgenden Generationen vielleicht, aber nicht mehr den Ludwigshafenerinnen.
Im Davis Cup hat die Herren-Mannschaft von Teamchef Patrik Kühnen nach zwei Jahren als glücklicher Sieger im September in Tschechien (3:2) die Rückkehr in die Weltgruppe geschafft. Die erste Partie im kommenden Jahr vom 10. bis 12. Februar wird in dem weltweiten Mannschaftswettbewerb zwar ein Heimspiel in Halle Westfalen - nicht auf Rasen, sondern einem eigens verlegten Hartplatz - sein, mit Frankreich wird aber ein schwer zu schlagender Gegner kommen. Schwer wird es für die Truppe - mit Tommy Haas, Nicolas Kiefer, Florian Mayer und Alexander Waske - auch, den World Team Cup in Düsseldorf zu verteidigen. Auf die deutschen Damen wartet im Fed Cup ein ähnliches Kaliber wie auf die Herren. Im badischen Rust werden die Amerikanerinnen am 22. und 23. April 2006 mit Lindsay Davenport erwartet.
KONZOKH / KONZOKH
Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ
Regionalausgabe: Speyerer Rundschau
Datum: Nr.302
Datum: Donnerstag, den 29. Dezember 2005
Seite: Nr.10
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