Benedict Halbroth
TENNIS: Benedict Halbroth
RÖMERBERG. Mit Siebzehn hatte Benedict Halbroth, eifriger Punktesammler des Oberliga-Spitzenreiters TC Römerberg nur ein Berufsziel: Tennisprofi wollte er werden, das war klar. Und einmal „vor vollem Haus“ bei einem Grandslam-Turnier auf dem Centre-Court spielen, sein großer Traum. Heute sieht der 19-Jährige seine Zukunft nicht mehr im Profi-Tennis, sondern in einem Medizinstudium.
Ungefähr dreizehn Jahre ließen sich Schule und Tennis gut miteinander verbinden. Nun musste er sich entscheiden, denn Profileben und Studium passen nicht zusammen. Mit exzellenten Schulabschluss unter Berücksichtigung eines DTB-Kader-Bonus´ hat der Abiturient des Heinrich-Böll-Gymnasiums in Mundenheim, derzeit Nummer 138 der deutschen Tennis-Rangliste, einen Studienplatz sicher. „In Heidelberg oder Mainz“ berichtet Mutter Eva, die betont, dass ihr Sohn die Entscheidung allein getroffen hat.
Der Tennisfreak war auf dem besten Weg, Tennisgeschichte zu schreiben. Denn vor zwei Jahren war er als 86. der Junioren-Weltrangliste zur Teilnahme an den vier weltgrößten Junioren-Tennis-Turnieren berechtigt. Den Australian Open in Melbourne, den US-Open in New York, den French Open in Paris und den All-England-Champion-Chips in London. Ganz dicht war Halbroth am großen internationalen Geschehen dran.
„Der Tennissport ist und bleibt trotz dieser Entscheidung meine ganz große Leidenschaft. Nun hat das Studium allerdings Vorrang. Und trotzdem möchte ich auch in Zukunft im Rahmen meiner Möglichkeiten das Beste herausholen. Natürlich hätte mich auch eine Profikarriere gewaltig gereizt. Doch nachdem ich ungefähr ein halbes Jahr bei Helmut Lüthy Gelegenheit hatte, in das Leben eines Profis hineinzuschnuppern, dachte ich viel, zu viel, darüber nach. Ich stand den ganzen Tag auf dem Platz und merkte schließlich, dass mir nach dreizehn Schuljahren einfach irgendetwas fehlt. Das letzte Prozent, es zwei bis drei Jahre als Profi zu probieren, war letztlich nicht vorhanden“ schildert der amtierende Rheinland-Pfalz-Meister in der Halle seine Stimmungslage.
Nach dem Ganztagstraining blieb ihm kein Raum mehr für andere Aktivitäten. „Denn am Abend geht nach dem anstrengenden Training nicht mehr viel, da fällst du todmüde ins Bett“ berichtet der junge Mann. Und mindestens zwei knüppelharte „Lehrjahre“ mit intensivem Grundlagentraining hätte er durchziehen müssen..
„Profitennis ist zunächst einmal Arbeit, Arbeit und nochmals Arbeit. Wenn ein Spieler nicht hundertprozentig dahinter steht, ist es besser, darauf zu verzichten. Deshalb halte ich die Entscheidung Halbroths für absolut in Ordnung“ urteilt Helmut Lüthy, der den talentierten Nachwuchsspieler gern in sein Trainings-Team aufgenommen hätte. Aufstrebende Cracks wie Dennis Gremmelmayr, Jerome Becker und Simon Stadler, die sich im letzten Jahr nach vorne spielten, zählen dazu. Die Tür hält er ihm aber weiterhin offen. Zwar nicht als festes Mitglied, doch als Sparringspartner seiner Asse.
Hubert Bohlender, Teamchef des Oberligameisters TC Römerberg, sah als Alternative für den Ludwigshafener ein Studium von zunächst einem Jahr in den Vereinigten Staaten. „Viele, die aus den USA zurückkehrten, spielten ihr bestes Tennis und gewannen die Römerberg Open“ begründet er und erinnert an Markus Hornung, Martin Woisetschläger und Lars Poersche, die sich im Anschluss an ihren Amerika-Aufenthalt in die Siegerliste der Open eintrugen.
„Und Senkrechtstarter Benjamin Becker stand im Vorjahr in Römerberg im Finale, spielte sich in Wimbledon durch die Qualifikation, überstand dort die erste Hauptrunde und schied erst nach einer unglücklichen Fünfsatz-Niederlage aus dem Grand-Slam-Turnier aus. Heute steht er bereits auf Position 134 der Weltrangliste“ sagte Bohlender im Gespräch mit der RHEINPFALZ.
Halbroth steht diesen Überlegungen durchaus positiv gegenüber. Denn auf Vermittlung seines Teamgefährten Markus Hornung pflegt er seit einiger Zeit ständigen Kontakt mit dem Tennis-Head-Coach der Baylor-University in Texas, Matt Knoll. Das beste Uni-Tennis-Team der Vereinigten Staaten ist dort angesiedelt. „Becker, Dorsch und Poerschke waren da. Durchaus möglich, dass es mich nach dem Physikum in etwa zwei Jahren ebenfalls für einige Zeit dorthin zieht“ bekennt der angehende Medizinstudent. (dsch)
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