Andre Begemann - Römerberg Open-Sieger
Andre Begemann - Römerberg Open-Sieger
Sonntag 16.07 Uhr: Andre Begemann aus Lemgo reißt nach seinem Turniersieg bei den Römerberg Open jubelnd die Arme hoch. Er nimmt den Siegerscheck über 1300 Dollar entgegen und bedankt sich höflich beim Veranstalter, den Sponsoren sowie dem Schiedsrichtergespann für ein „tolles Turnier“. Über den Erfolg freut er sich riesig und verspricht unter dem Beifall der zahlreichen Zuschauer, im nächsten Jahr wieder zu kommen. Seinen allergrößten sportlichen Erfolg feierte er am 23. Juni 2006. Als Student der Pepperdine-University in Malibu-Los Angeles gewann Begemann mit seinen „Pepperdine-Waves“ die US-College-Meisterschaft und schrieb damit Tennisgeschichte in Amerika.
„2:6, 7:6, 5:4 und 40:30, Matchball. 4500 Fans konnten es mitverfolgen, ich verwandle meinen Aufschlag zum Sieg. Wahnsinn, einfach unglaublich, nach 3:2-Führung gewinne ich das entscheidende Einzel zum 4:2-Sieg. Mit Freudentränen in den Augen sinke ich in die Knie, mein Team stürzt sich auf mich - der schönste Moment meines Lebens“ erzählte der sympathische junge Mann mit den schulterlangen blonden Locken, immer noch sichtlich gerührt, der RHEINPFALZ. „Die Pokalübergabe und mein Interview wurden live im amerikanischen Fernsehen ausgestrahlt - ein wundervolles Erlebnis“ ergänzt er.
Viele Ehrungen kamen nun auf ihn zu. Er erhielt den in Amerika üblichen Championship-Ring vor sämtlichen Studenten seiner Universität. „Dieser Tag bleibt mir immer in Erinnerung, weil mich die Glückwünsche und die Atmosphäre damals sehr mitgenommen haben“ sagte er. Auch anschließend war er in Amerika, auch bei Wohltätigkeits-Veranstaltungen, ein vielgefragter Mann. Mit seinem Partner bestritt er einen Schaukampf gegen die amerikanischen French-Open-Sieger des Jahres 1995, Jensen/Jensen.
Als absoluten Höhepunkt empfand er den Empfang im Weißen Haus in Washington D. C. durch Präsident George. W. Bush, der zeige, welch hoher Stellenwert dem College-Sport in den USA zukommt. Mit Bush habe er etwas gewitzelt und ihn gefragt, wie er mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zurecht komme. Der Präsident habe daraufhin lächelnd geantwortet: „Oh - eine nette Frau, ich bin mit ihr per Du“. Die Begegnung mit dem Präsidenten bezeichnete er als einmalige und wunderbare Erfahrung.
Es folgte eine Einladung des amerikanischen Tennisverbands, als Ehrengast ein Wochenende in einer der VIP-Loungen der US-Open in New York zu verbringen. Auf dem Centre-Court durfte er zu Schaukämpfen gegen die Williams-Schwestern, Steffi Graf, Andy Roddick und André Aggassi antreten.
Im Oktober letzten Jahres bestritt der 24-Jährige ein Trainingsmatch gegen den „alten Serve- and Volley-Gott“ John McEnroe. „Der hat einige Häuser in Malibu und mich bei einem seiner Aufenthalte zu einem Trainingsspiel eingeladen. Es war eine kleine Lehrstunde für mich. John ist immer noch so ehrgeizig wie eh und je“ berichtet Begemann. Verschmitzt lächelnd erzählt er von seinem 7:5-Erfolg über den Altmeister.
Ein Kindheitstraum erfüllte sich für ihn im Februar: „Das Telefon klingelt, ich konnte es kaum glauben, mein großes Idol Pete Sampras lud mich zum Training zu sich nach Beverly Hills ein“. Sampras, über viele Jahre die Nummer eins in der Welt, wollte sich auf ein Showmatch mit Roger Federer vorbereiten.
Dass er seine Ausbildung bei der Sparkasse Lemgo abbrach, weil ihn der Gedanke eines Studiums in Amerika und damit verbundenem College-Tennis nicht mehr los ließ, bereut der Zweitbundesligaspieler des TV Espelkamp-Mittewald keine Sekunde: „Was ich in jungen Jahren schon erlebt habe, reicht fast für ein ganzes Leben. Es war eine wunderschöne Zeit“.
Nachdem sich ein Sponsor gefunden hat, ihm für zwei Jahre eine Profi-Karriere zu finanzieren, möchte sich Begemann in der Tour-Szene versuchen. Mit dem TC Römerberg stand er kurz vor einem Vertrags-Abschluss, als ihn das „Super-Angebot“ erreichte. „Und das konnte er wirklich nicht abschlagen, so gerne ich ihn bei uns gesehen hätte“ meinte Römerbergs Teamchef Hubert Bohlender. (dsch)
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