Die Tennisspieler zählen nun anders. Jerome Becker vom Zweitligisten TC Römerberg ist nicht begeistert
Dramatik eines dritten Satzes geht verloren"
TENNIS: Rheinland-pfälzischer Verband führt den Match-Tiebreak ein - Umfrage bei Spielern und Funktionären der Region
VON MANFRED SCHERER
SPEYER. Der Tennisverband Rheinland-Pfalz hat entschieden, anstelle eines dritten Satzes den Match-Tiebreak einzuführen. Dies gilt probeweise ab der Spielsaison 2009 für sämtliche Spiel- und Altersklassen zunächst für ein Spieljahr. Die RHEINPFALZ sprach mit Tennisspielern und Funktionären über die insbesondere bei jüngeren Cracks umstrittene Neuregelung.
Isabella Fangmann, Vorsitzende des TC Harthausen: „Die Dauer der Medenspiele wird durch die Neuregelung etwas überschaubarer. Ein positiver Aspekt, der ebenso wie gesundheitliche Gründe für die Verkürzung spricht. Aus rein sportlicher Sicht gibt es aber auch Nachteile. Denn die Dramatik eines prickelnden dritten Satzes geht verloren. Bei uns sind die Meinungen zu diesem Thema geteilt. Dass vor einer endgültigen Entscheidung eine Erprobungsphase vorgeschaltet ist, halte ich für eine gute Sache."
Silvia Nebel, Vorsitzende des TV Hanhofen: „Der Gesundheit dürfte es nicht gerade zuträglich sein, bei hochsommerlichen Temperaturen und hoher Nervenanspannung stundenlang um Sieg und Punkte zu kämpfen. Hinzu kommt, dass Vereine wie der TV Hanhofen mit nur zwei Plätzen Probleme bekommen können, die Punktspiele vor Einbruch der Dunkelheit zu beenden. Von daher kann ich die Entscheidung nachvollziehen. Sportlich wäre ein kompletter dritter Satz allerdings gerechter, da kurzfristige Schwächephasen nicht unbedingt matchentscheidend sein müssen. Die probeweise Einführung finde ich gut. Nach der Testphase mit einigen Erfahrungswerten kann man ja nochmals über das Thema reden."
Michael Schikarski, Spielleiter des TC Römerberg: „Ich finde den Match-Tiebreak nicht schlecht. In den Doppeln wird er bei ITF-Turnieren und in der Bundesliga gespielt. Besonders für ältere Semester ist die Regelung zu begrüßen. Reines Glück, dass bei den Marathon-Matches mit riesiger, stundenlanger Belastung, teilweise bei großer Hitze, bisher nicht mehr passiert ist. Die Spielverkürzung kann ich mit Blick auf einen gesunden Sport nur bejahen."
Stephan Hermann, aktiver Spieler des TC Dudenhofen: „Für Altersklassen, meinetwegen ab 40, scheint mir die Neuregelung sinnvoll. Bei jüngeren Spielern sollte dagegen die körperliche Fitness neben dem spielerischen Potenzial letztendlich ausschlaggebend sein. Zumindest bei diesen Altersgruppen kann ich mich mit dem Match-Tiebreak überhaupt nicht anfreunden. Sie sollten weiterhin den dritten Satz ausspielen."
Jerome Becker, Zweitbundesligaspieler und amtierender Rheinland-Pfalz-Meister vom TC Römerberg): „Ich kann mich nicht dafür begeistern, da eine Tiebreak-Entscheidung im Wesentlichen reine Glückssache ist, ähnlich wie das Elfmeterschießen im Fußball. Ein oder zwei schwache Bälle können das ganze Match entscheiden. Wird der dritte Satz dagegen ausgespielt, können kleine Fehler oder eine kurzfristige Schwächephase wesentlich besser kompensiert werden. Dass man selbst in der Bundesliga diese Zählweise bevorzugt, habe ich noch nie so richtig verstanden. Etwas anders sehe ich die Situation bei älteren Spielern. Bei ihnen scheint mir eine Spielverkürzung zur Vermeidung gesundheitlicher Schäden sinnvoll."
Kurt Scherer, Seniorenspieler TC SW Speyer): „Nach meinem Geschmack eine schlechte Lösung, Tennis ohne dritten Satz ist wie Dampfnudeln ohne Weinsoße. Spaß beiseite, Spieler, die wie ich vorrangig auf konditionelle Stärke setzen, sind dabei eindeutig benachteiligt."
Herbert Kasper, Seniorenspieler (WR Speyer): „Es war für mich absolut unverständlich, dass wir Ältere den dritten Satz noch ausspielen müssen, obwohl die Leistungssportler in der Bundesliga schon längst den Match-Tiebreak praktizieren. Endlich haben die Verbandsoberen diese Diskrepanz erkannt. Die Änderung war überfällig und ist zu begrüßen." Stichwort
ERBACHM
Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Speyerer Rundschau
Ausgabe: Nr.276
Datum: Mittwoch, den 26. November 2008
Seite: Nr.21
"Deep-Link"-Referenznummer: '4356097'
Präsentiert durch DIE RHEINPFALZ Web:digiPaper
Match-Tiebreak
Beim Match-Tiebreak werden anstelle eines dritten Satzes zehn Gewinnpunkte ausgespielt. Nachdem diese Zählweise in der Bundesliga und den Nachbarverbänden Mittelrhein, Baden, Württemberg sowie Hessen flächendeckend gilt und die Regionalligen sie bundesweit eingeführt haben, entschlossen sich die Funktionäre des Tennisverbandes Rheinland-Pfalz, zunächst probeweise für sämtliche Alters- und Spielklassen sowohl in den Einzel- als auch in den Doppelbewerben nachzuziehen. Ziel der Neuregelung ist die Verkürzung der Spieldauer. Drei und in Extremfällen auch mal über vier Stunden kämpften Hobby-Cracks bei Extremtemperaturen mit hochrotem Kopf auf dem staubigen Platz um Spiel, Satz und Sieg. Der Ehrgeiz, den „dringend notwendigen Mannschaftspunkt" zu ergattern, ließ bei so manchem gesundheitliche Überlegungen in den Hintergrund treten. Es waren ja schließlich tolle Spiele, über die an den Stammtischen in den Clubhäusern auch nach vielen Jahren noch gesprochen wird. Dass sich dabei manch Älterer bis zur Grenze eines Herzinfarktes verausgabte, wird dabei gerne verschwiegen. Damit soll nach dem Willen der Verbandsoberen nun Schluss sein, obwohl sich bereits eine kritische Front, hauptsächlich jüngerer Spieler, gebildet hat. (dsch)
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